Der erste Lunch

Wir haben den ersten Test hinter uns und die ersten Probegäste haben einen Lunch genossen. Also wir hoffen Sie haben ihn genossen. Sie sahen auf jeden Fall zufrieden aus und wir haben viel gelernt. Gastronomie ist eben nicht kochen für Freunde, sondern ein Prozess bei dem Vorbereitung, Timing und Organisation plötzlich viel mehr Zeit einnimmt als gedacht. Und ein Gastrobetrieb ein ersten Mal in Betrieb zu nehmen bedeutet eben nicht nur Kochen. Hier sollte alles stimmen und von der Begrüssung bis zum Verabschieden ein Erlebnis für den Gast werden.

Die Vorbereitungen liefen nicht ganz wie geplant und neben dem Probelauf hatten wir liebe Helfer zu Besuch. Also Arbeit verteilen, Fragen beantworten, Werkzeuge suchen und kochen für 5 statt zwei Personen. Die Handwerker stellten zusätzlich unseren Ablauf auf die Probe und unser Bauprogramm stand kurz Kopf. Aber wer umfällt, steht auf, schüttelt sich und weiter geht es. Alles nicht ganz so schlimm, aber die Bauarbeiten müssen etwas umgeplant werden.

Zwei Tage vor dem Lunch beginnen wir mit der Kasse und dem Bezahlterminal. Genau da war noch was. Die Kasse ist noch im Testbetrieb. also mit dem Kundendienst noch umstellen, schliesslich wollen wir auch etwas verrechnen können. Das Kalt- und Warmbuffe ausprobiert und wie bereits erahnt, das Wärmebuffe geht natürlich nicht. Also nochmals die Verdrahtung kontrollieren und weiter testen. So vergeht die Zeit im Fluge und am Abend vor dem Lunch, ist irgendwie noch nichts klar.

Wie kommen wir auf die verrückte Idee einen Lunch anzusagen mitten in unserer Baustelle. Am Morgen noch die letzten Arbeiten bei der Reception ausgeführt, so dass mindestens die Baustelle nicht gerade ins Auge springt und am Abend fällt einem auf: „Ich habe noch nie für 20 Personen gekocht“. Priska schon vielfach, aber Sie ist mit dem Brot beschäftigt. Also Fleisch und Gemüse für das Ragout schneiden und im iVario über Nacht schon langsam Niedertemperatur garen lassen. Etwas durch den Wind geht es ins Bett und die eher unruhige Nacht hilft nicht die innere Aufregung zu legen.

Nun ist der Morgen da und zuerst einmal noch für meinen Arbeitgeber in der Schweiz arbeiten. Anschliessend geht es los. In der Küche angekommen sind die Salate bereit und das Ragout hat gemütlich vor sich hin geschmorrt. Nach einem kurzer Geschmackstest und dem Abschmecken wir der Ragout als gut befunden. Nun die Knöpfli anbraten und das Gemüse dämpfen, logisch die Knöpfli brennen an. Die Menge Öl und Knöpfli scheint noch nicht zu stimmen, aber ja ist ja ein Test. Also die Ruhe bewahren, die ersten Gäste treffen ein, natürlich zu früh, nicht ist bereit und das Kartoffelpüree muss auch noch gemacht werden.

Diesen Stress soll ich mir ab dem 13. Juni jeden Tag antun?

Endlich ist der Salat und der Lunch bereit und fast pünktlich, aber wer hat im Eifer schon an passendes Schöpfutensilien gedacht. Also improvisieren, wie eigentlich immer. Weitere Gäste treffen ein und das Kaffee wird eifrig begutachtet und die Atmosphäre kommt bei Einheimischen und Zuwanderer gleichermassen an. Die Bilder animieren zu Gesprächen und das Essen wandert vom Buffe auf die Teller und in die Münder. Es scheint tatsächlich zu schmecken, keiner spuckt das Essen aus und Reste kommen praktisch keine zurück. Also doch nicht so schlecht, wie befürchtet.

Langsam sinkt die Aufregung und Erleichterung macht sich breit. Wir sind auf dem richtigen Weg und ein weiterer Schritt können wir mit vielen neuem Wissen angehen. Die Küche funktioniert, unsere Art zu kochen findet anklang und auch die Arbeitsprozesse funktionieren. Alles andere wird sich schnell einspielen.