Es dreht sich alles

Bei uns drehen sich nicht nur immer wie mehr Heizungspumpen, nein langsam aber sicher dreht sich das ganze Haus auf links. Ich weiss nicht wie oft ich in den letzten Tage einem falschen Weg einschlug, nach dem Tür öffnen nicht sofort wusste wo ich war oder welche Tür muss ich heute nehmen? Alles verändert sich. Aber eines bleibt über die ganze Zeit gleich, das ist unser Projekt. Modern wäre unser „once in a livetime“ aber hier sind wir etwas konservativer und zurückhaltender also „mycket jobb“.

Es geht an allen Fronten voran: Die Küche, der Pub, das Treppenhaus, die Ventilation, das Hygiene- und Brandschutzkonzept, die Menükarte, die Lieferanten und die Finanzierung. Also ein Mehrfrontenkrieg mit Verschleiss. Aber eben es dreht sich alles und das ist gut, denn noch knapp neun Wochen bis zur ersten Eröffnung.

Der Baustaub muss weg. In der Küche beginnt der Abwasch und das grosse Kistenausräumen. Backformen, Teller, Tassen, Töpfe und allerlei Kleinteile werden vom Baustaub befreit und nach 1.5 Jahren aus den Kisten befreit. Da kommt so manch vergessener Gegenstand ans Tageslicht. Nächsten Dienstag haben wir die Schulung auf den Rational-Kochgeräten und ab Freitag sollte auch die Lüftung funktionieren.


Die Lüftung ein Kostenfaktor den wir unterschätzt haben, nun wo Sie so da steht, begreifen auch wir, warum die Offerte so hoch war. Eigentlich eine super Sache. Das Fett aus der Küche wird abgesogen über Drehscheiben und UV Lampen pulverisiert und im Lüftungsfilter aufgefangen. Die in der Küche entstehende Wärme wird abgeführt oder im Winter zum Heizen des gesamten Erdgeschosses verwendet. Fast ein wenig Schade für die verlegte Bodenheizung. Und auch die Löschanlage für den Kochbereich ist gleich mit integriert.

In den letzten Wochen hat sich unser Weg durchs Haus verändert, der obere Stock erhält langsam aber stetig den neuen Grundriss, der Saunabereich, das erste Zimmer und 1/3 des Korridors ist fertig und wartet noch auf den Innenausbau. Auch das Treppenhaus wird diese Woche im Rohbau fertig und bald kann die neue Treppe geliefert werden.
Ein kleiner Triumph für uns, zu sehen wie unsere Vision wächst und welches Potential in diesem Gebäude steckt.

Apropos Potential: „Bei Häuser, Makler und Potential gilt es in Schweden dreimal zu kontrollieren ob es Renovierungsbedarf oder ein Möglichkeitspotential ist“.

Die Reception und der Durchgang wird viel grosszügiger als erwartet, das Treppenhaus offener und die ehemalige enge Garderobe wird ein kleiner Vorraum.

Im Restaurant ist der 1/3 des Boden bereits für die Bodenheizung und den beton. Anschliessend können wir die anderen 2/3 anpacken.

Seit Montag sind wir offiziell als Lebensmittelbetrieb registriert und dürfen das Kaffee und Restaurant betreiben, aber erst gilt es noch das HACCP Konzept fertig zu stellen. Und auch die Rettungsdienste müssen die Räume noch abnehmen, aber das wird.

Fleissig treffen wir uns mit Lieferanten und unsere Lieferketten kristallisieren sich heraus. Unser Motto ist regional und kurze Lieferwege. Nicht immer einfach, mit Idealisten zu handeln, aber wir erhalten dank vielen kleinen Produzenten ein tolles und einmaliges Angebot. Kaum zu glauben was sich alles für Lebensmittelproduzenten und Produkte finden lassen. Wir freuen uns aber darauf mit diesen Zutaten schmackhafte Teller zu kreieren und planen bereits für nächstes Jahr eine „Smacka på Värmland Woche“. Regionale Produkte bei der Herstellung sehen und Am Abendmenu probieren. Im Herbst mit den Abschlussevent der ganzen Region Smacka på Värmland. Wir sind gespannt. Auf jeden Fall werden die Plätze begrenzt.

Auch bei der Finanzierung gibt es Neuigkeiten, wohl eines der grössten Ärgernisse. Schweizer wollen keine EU-Bürger sein und die Personenfreizügigkeit ist nicht ganz so freizügig wie versprochen. Als einzige Westeuropäer brauchen wir eine Aufenthaltsgenehmigung, die erstmal auf 5 Jahre befristet ist. Das führt bei Finanzierungsanfragen zu grösseren Komplikationen. Beziehungsweise es ist kaum möglich eine Bankfinanzierung zu erhalten. Wir konnten uns nun aus Eigenmittel und Familie und Freunden finanzieren, aber für den letzten Zwick brauchen wir eine weitere Finanzierung. Dank der Gemeinde und der staatlichen Finanzierungsgesellschaft Almi hat dies nun nach einem längeren konstruktiven Dialog geklappt. Was für mich als Schweizer fast unvorstellbar ist.