Renovieren ist anstrengend?

Wir dachten das Renovieren sei der anstrengendste Teil, aber nun wünschen wir uns schon fast diese Zeit zurück. Die ersten beiden Monaten mit dem vereinfachten Betrieb haben uns so richtig unsere Grenzen aufgezeigt. Unsere Erwartungen nach zwei Tagen weggespült und die Frage im Raum wie sollen wir das alles nur bewältigen?
Langsam ist die Neugier der Einheimischen gestillt, die Sommerferien wo das Geld lockerer in der Tasche sitzt zu Ende und vielleicht können wir nun einige Tage durchatmen. Es sah auf jeden Fall danach aus….
Das Renovieren des Gebäudes ist ohne Zweifel anstrengend und wir waren im Juni froh stand die erste Eröffnung vor der Tür. Nun hat der September begonnen und der Herbst zieht langsam ein. Dabei denken wir an die beschauliche Renovierungszeit und sehnen uns schon fast danach zurück. Arbeiten ohne äussere Anforderungen, einfach in unserem Tempo und nach unserem Gusto. Mit der Eröffnung hat sich da vieles geändert. Das Mittagessen sollte zu den publizierten Zeiten bereit sein und auch in den benötigten Mengen verfügbar. Nicht ganz einfach, da keiner weiss wie viele kommen. Aber das ist Gastro von „war dann nix“ bis „in der Küche geht´s ganz fix“ ist alles möglich oder wie unser Sohn sagt „Gastro ist eine Bitch“.
Nach der Eröffnung und der ersten Wochen mit „leichtem Chaos“ hat sich nun langsam alles eingespielt. Die Menus funktionieren und auch der Zulauf hat sich etwas reduziert. Allerdings sind die Schwankungen recht hoch und die Warenhaltung bleibt eine Herausforderung. Gut Reservieren gerade beim Abendessen die Gruppen brav vor, so können wir die Vorbereitungen etwas besser planen. Also es geht in der Küche und in der Gastronomie in Richtung geordnete Bahnen. Aber von Durchatmen und erholen sind wir noch etwas entfernt. Und dank dem sich verbreitenden Gerücht „Im Pilgrimen kann man gut Essen“ häufen sich Anfragen für kleine und grössere Feiern. Vom Treffen unter Freunden über Geburtstagsfeiern und TeaTime mit 30 Personen ist alles mit dabei. Dies sorgt neben dem laufenden Betrieb für eine gute Auslastung, was schön ist aber für unserer Work-Life-Balance nicht gerade förderlich ist.
Ja, etwas Neues macht Neugierig, aber ein oder zwei Besuche ändern keine Gewohnheiten und unser Angebot ist noch längst nicht in den Köpfen der Einheimischen und Touristen angekommen. Aber es beginnt sich zu bewegen. Neue Gäste haben gehört: „man soll einmal kommen“, „es gäbe gutes Essen“ oder „wir sollen doch einmal hier anrufen, vielleicht machen ihr das auch“. Das heisst es wird über uns gesprochen. Das ist schon mehr als wir erwarten durften. Die Gäste sind meistens begeistert und manchmal müssen wir auch weg hören. Weil zu viel Lob sollte auch nicht sein. Hier einige Aussagen unserer Gäste: „Das beste Restaurant im nördlichen Värmland“, „Eine der Besten Stellen für ein Mittagessen in ganz Schweden“, „keiner glaubt das ich kein gelernter Koch bin. dafür sei das Essen zu gut“. „Die Backwaren sind einzigartig gut“ Also wirklich das geht aus unserer Sicht zu weit. Aber eigentlich zeigen diese Aussagen zwei Dinge. Erstens, die Schweden neigen zu einem zu positiven Feedback und zweitens, um die Gastronomie in Schweden steht es wirklich nicht gut. Ja und wir können beides bestätigen. Die Schweden sind höffliche Menschen und schlechte Nachrichten/Rückmeldungen werden nur sehr ungerne überbracht. Die Schweden haben gelernt, der Bote von schlechten Nachrichten wird bestraft. Und ja in Schweden hat die Gastronomie einiges verlernt. Wobei es gibt Spitzenköche mit Weltformat und Restaurant die auf dem höchsten Level kochen. Aber auf dem Lande gibt es Gassenküche oder abgehobene „möchtegern“ Spitzenküche. Aber einfaches, schmackhaftes Essen aus guten Zutaten ist leider Fehlanzeige. Was unser Leben bei Grossisten auch nicht einfacher macht. Da keine Nachfrage aus der Gastronomie, sind schon frische Zutaten gar nicht so einfach zu bekommen oder regelmässig schon ausverkauft. Gefrorenes passt halt, dank längerer Haltbarkeit und quadratischer Lagerung, viel einfacher in die industrialisierte Welt. Aber wir lassen uns nicht entmutigen und schreiten unseren Weg weiter voran.
Nun haben wir bald das Unternehmerfrühstück bei uns und wir sind gespannt auf diesen Anlass und die Reaktionen unserer KMU Kollegen auf unseren Umbau. Vor zwei Jahren durften wir unsere Idee vorstellen und nun können diese (zum Teil) real Besichtigt werden. Kleine Nebenbemerkung am Rande wir sind immer noch sehr stark bei der originalen Idee und die Umsetzung entspricht in vielen Punkten der damaligen Präsentation. Einzig mehr Sitzplätze mehr Zimmer und mehr von allem. Aus dem kleinen Värdshus in unseren Vorstellungen ist während den vielen Umbauarbeiten tatsächlich ein richtige Värdshus geworden. Gross mit viel Arbeit und viel von allem.
Der Umbau schreitet weiter voran und trotzdem kommen wir gefühlt an kein Ende. Aber wir haben auch kaum noch Zeit mitzuhelfen. Die gemeinsamen Veranstaltungen mit Skildra haben uns über den Sommer zu sehr absorbiert, aber da sieht es nun etwas besser aus. In den letzten beiden Wochen konnte ich mich wenigstes einen Tag um den Umbau kümmern. Aber die Handwerker sind fleissig und im Abendrestaurant sind 2/3 des Rohbaus abgeschlossen und auch im ersten Hotelteil kommt der Rohbau zum Abschluss. Dann fehlt nur noch der Finish und da sind wieder wir an der Reihe. So sollten wir das Hotel noch in diesem Jahr eröffnen können. Passend auf die Weihnachtsferien und Winterferien. Also eure Buchungsanfragen können kommen.
Nach drei Monaten stehen viele Fragen in Raum und wir haben nicht auf alle eine Antwort. Noch können wir das widersprüchliche Verhalten unserer Gäste nicht interpretieren und die Erwartungen der Einheimischen und der Touristen gehen weit auseinander. Wie gehen wir damit um? Welche Menus bieten wir an und was lassen wir einfach weg oder passen wir an. Im Land der Fika funktioniert genau diese nicht und wir müssen uns damit abfinden, dass sich Gewohnheiten nicht einfach über Nacht verändern. Wo es bisher kein Angebot gab, besteht zwar eine Lücke, aber die Gewohnheiten haben sich angepasst. Kommt das in Gang? Oder, bleiben in diesen Bereich die Leute dauerhaft weg. Erst die Zeit wird es zeigen.
Auch können wir mit den aktuellen Angebot die Erwartungen nur teilweise erfüllen, der Pilgrim war eben nicht ein Kaffee sondern ein Pub und ein Restaurant. Aber wir jammern auf hohem Level und sollten uns stattdessen am positiven Erfreuen, aber wie immer der Mensch funktioniert nicht so….
Ach so und falls ihr einige Tage im Winter verbringen möchtet? In unserem Hotel sollten auf Weihnachten die ersten Zimmer verfügbar sein.
