Weihnachten 2025

Schon geht das Jahr 2025 zu Ende und wir realisieren langsam: „Es stehen grosse Veränderungen an“. Nein wir planen keine Rückwanderung in die Schweiz. Aber immer wie mehr Ecken nähern sich dem Ende und immer wie mehr von unserer Zeit widmen wir der Planung für den Betrieb unserer Oase am Klarälven. Ja und bei der Planung vom Hotelbetrieb entstehen plötzlich Fragen. Wie gehen wir mit Gästen um, was machen wir wenn plötzlich ein Prominenter oder gar ein Mitglieder der Königsfamilie bei uns übernachten will? Und jetzt zu Weihnachten entsteht eine neue Frage: „Was wäre wenn wir einer der Herbergsbetreiber in der Weihnachtsgeschichte gewesen wären?“. Plötzlich sehe ich dies alles in einem etwas anderem Licht.

Ja was würden wir machen wenn ein armes Ehepaar auf der Reise um ein Zimmer fragen würde. Sie hoch schwanger beide hungrig und müde von der Reise. Heute vermutlich nicht mehr auf dem Esel, aber vielleicht in einem alten verbeulten Motorrad mit Seitenwagen, beide stehen nun so verfroren vor der Tür und fragen nach einem Zimmer.

Eigentlich ist die Reception schon lange geschlossen. Im Restaurant ist das Weihnachtsbuffet auf dem Höhepunkt und die Musik spielt gerade gross auf. Alle Hände werden im Service und der Küche gebraucht. Das Personal schwirrt mit erhitzten Köpfen von der Küche zu den Gästen und versuchen den vielen Wünschen gerecht zu werden. Auch im Obergeschoss herrscht ein emsiges Treiben. Alle Zimmer sind seit Tagen ausgebucht und die Hotelgäste sind in ausgelassener Vorweihnachtsstimmung. Einige verpacken die letzten Weihnachtsgeschenke und andere Sitzen gemütlich mit einem Glas Glögg im Aufenthaltsraum. Ja ein Abend wie sich jeder Gastgeber wünscht. Volles Haus. glückliche Gäste und die Kasse klimpert. Aber nun steht dieses verfrorene Ehepaar an unser Reception.

Als Kind empfand ich die Herbergsbetreiber immer als grausame und unbarmherzige Menschen, aber jetzt?

Was sollen wir nun unternehmen?

Bett ist keines frei und eine Stall im Garten hinter dem Haus haben wir auch nicht. Der ganz einfache Ansatz ist :Einfach abweisen, wie schon viele andere Reisende während der Hochsaison. Wir können ja schliesslich nicht einfach Zimmer aus dem nichts herzaubern und schon gar nicht für Reisende die vermutlich die Rechnung nicht begleichen können. Ja und die Frau schein kurz vor der Geburt zu stehen und auf eine Hausgeburt haben wir weder Lust noch Zeit.

Wir könnten versuchen eine andere Unterkunft zu finden. So am Abend laufen wir keine offenen Türen ein und die sozialen Dienste haben bereits geschlossen. Da machen wir uns keine Freude. Zeit haben wir auch keine. Das Servierpersonal war schon zweimal an der Reception um uns zu holen. Also doch einfach Abweisen und auf gut Glück auf einen Unterkunft weiter oben im Klarälvstal verweisen.

Gibt doch aus Sicht eines wirtschaftlich denkenden Unternehmers gute Gründe das Paar abzuweisen. Ja ich gebe es zu, es würde in diesen Fall einige Gedanken durch den Kopf gehen und eine eindeutige Antwort ohne Bauchgefühl zu geben ist uns unmöglich.

Das letzte Mal als ich auf barmherziger Samariter machte, bleibt bis heute das Gefühl nur ausgenutzt worden zu sein. Die arme Familie am Strassenrand winkte mir beim Vorbeifahren aufgeregt zu. Also wendete ich bei der nächsten Möglichkeit und fragte ob ich helfen könnte. Eigentlich dachte ich Sie hätten eine Panne und bräuchten Hilfe mit dem Fahrzeug. Der Vater erzählte mir von seinem erkrankten Vater der in München im Krankenhaus liegt und er mit der Familie seinen Vater ein letztes Mal besuchen wollte. Ja in der teuren Schweiz kann das Geld durchaus ausgehen. Der Vater war sehr nett und wollte gerne etwas Geld fürs tanken haben. Da ich schon in der Schweiz meistens ohne viel Bargeld unterwegs war, offerierte ich der Familie ihnen an der nächsten Tankstelle den Tank aufzufüllen. Er etwas konsterniert, überlegte kurz und willigt schliesslich ein und fuhr mir zu der nahegelegenen Tankstelle nach. Dort habe ich mit der Karte sein Fahrzeug aufgetankt und wünschte ihnen eine gute Reise. Die Familie blieb etwas ratlos zurück und ich wusste nun nicht ob es eine gute Tat war oder ob ich verascht wurde. Letztlich spielt mein Gefühl keine Rolle. Ich brachte es einfach nicht übers Herz zwei kleine Kinder am Strassenrand stehen zu lassen und habe die Hilfe geleistet die an mich angetragen wurde.

Also doch, einfach zusammenrücken und versuchen für die beiden bei uns ein anständigen Platz zum Schlafen zu finden? Wo verläuft die Grenze zwischen Barmherzigkeit und Ausgenutzt werden?

Bei der Weihnachtsgeschichte ist das Ende bekannt und ohne zu Zweifeln ist doch klar, für das Ehepaar auf der Reise muss sich irgendwo ein Platz in unserem Värdshuset finden. Aber die Herbergen Besitzer kannten das Ende nicht und mussten aus der Situation heraus eine Entscheidung treffen. Ich glaube nicht das wir ein heruntergefrorene hochschwangere Frau mit Ehemann einfach so weiter schicken würde. Ein Platz zum aufwärmen und etwas zu Essen findet sich doch immer. Ob wir Sie auf unserem Notbett in der Wohnung übernachten lassen, dass würden wir wohl situativ Entscheiden.

Was wäre den Gewesen, wenn der erste Herbergen Besitzer die beide bei sich übernachten lassen hätten?

Ja dann hätten wir jetzt nicht einen Stall von Betlehem als Krippe, nein alle Krippenbauer würden Modelle vom Hotelzimmer und Restaurants bauen. Aber lassen wir das…..

Wir wünschen allen Leser und Leserinnen eine richtig schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Danke das es euch gibt. Ihr seit grossartig.