Bei einem Flug in die Schweiz blieben vier Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen Stockholm Arlanda. Also ein Teil der Reise ist bereits vorbei und der zweite Flug steht einem noch bevor. Diese Situation bringt mir unsere eigene Situation ins Bewusstsein. Sind wir nun in Schweden angekommen oder bin ich noch auf einem Transitflughafen? Wo stehen wir mit unserer Auswanderung?
Unser Blog handelte in vielen Beiträgen, neben dem Värdshuset Pilgrimen, um unsere Auswanderung nach Schweden. Über den Sommer hat sich aber für uns dieses Thema erledigt. Die Behördengänge sind durch und wir sind angekommen. Nun bauen wir über verschiedenste Kontakte ein Umfeld hier in Schweden auf.
Damit wird es Zeit dieses Thema auch hier im Blog vorerst einmal abzuschliessen. Wir kommen spätestens in 4 Jahren darauf zurück, wenn wir unsere Aufenthaltsbewilligung verlängern müssen oder uns in Schweden êinbürgern lassen.
Es ist verrückt wir schwanken zwischen Müdigkeit, Mutlosigkeit, grenzenlosem Optimismus und Euphorie hin und her. Über den Sommer hat sich unser Haus gewehrt und Tribut gefordert. An unseren Plänen und Ideen gekratzt und Alles in Frage gestellt. Gleichzeitig klopften bei uns Menschen an die Tür, die uns zeigten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Menschen die Lösungen mit sich bringen und voll und ganz hinter uns stehen. Einfach unglaublich.
Wir sind an einem Punkt angelangt, den es wohl bei jeden grösseren Projekt gibt. Die gut gemeinten Pläne sind hinfällig, Ressourcen müssen organisiert werden und trotzdem wissen wir: „Wir sind auf dem richtigen Weg“.
Das erste Jahr in Schweden ist vorüber und es bleibt kaum Zeit das Erlebte zu verarbeiten. Das tägliche Geschehen und die vielen offenen Punkte, die wir abzuarbeiten haben, lassen uns keinen grossen Raum dazu übrig.
Was bleibt von den Hoffnungen und Erwartungen die wir mit unserer Auswanderung hatten? Was würden wir anders oder gar nicht mehr machen? Welche Überraschungen haben wir erlebt? Und wollen wir gar zurück in dir Schweiz?
Behördengänge und andere Ärgernisse wäre auch ein passender Titel. Aber es ist einfach unglaublich wir haben es geschafft. Nach dem wir ungefähr 7 Monate brauchten um uns persönlich zu organisieren. Konnten wir nun auch die Firmengründung abschliessen. Ja richtig wir haben jetzt offiziell eine registrierte Aktiengesellschaft in Schweden und nicht nur einfach so, sondern so ganz richtig, mit steuerlich korrekter Anmeldung und Mehrwertsteuernummer. Unglaubliches nach 11 Monaten in Schweden. Aber das beste auch die Schweizer Steuerbehörde konnte unseren komplizierten und fast nicht lösbaren Fall abschliessen und unser Restguthaben auszahlen.
Nach fast 12 Monaten harter Arbeit schreitet der Umbau voran und es geht nun im ersten Teil an die Feinplanung und dem Innenausbau. Leider kommt uns das alte Haus nicht immer entgegen und unsere Bauabschnitte verschieben sich zu Ungunsten von unserem Budget. Daher versuchen wir auch die Finanzierung der weiteren Arbeiten zu sichern.
Der Juni neigt sich bereits dem Ende zu und es wird Zeit für einen weiteren Newsletter. Was ist nicht alles passiert. Wir sind dankbar, diese intensive Zeit erleben zu dürfen. Doch manchmal Fragen wir uns schon, was müssen wir den noch alles machen? Gefühlt das tausendste Formular ausgefüllt und Dokument bestellt. Gefühlt das tausendste Problem diskutiert und irgendwie unzählige Male abgekämpft und müde ins Bett. Was hält uns an diesem Projekt?
Es war uns von Beginn an klar, dass dieses Projekt mit viel Arbeit mit sich bringen wird. Wir haben unser daher sehr bewusst vorgenommen uns immer Zeit für uns und die Erholung zu nehmen. Sehr gute Vorsätze die wir in den ersten Monaten auch gut einhielten. Hier ein Ausflug, da ein ruhiger Tag oder ein gemütliches Abendessen.
Aber bereits mit den ersten Helfer die zu uns waren, wurde alles etwas schwieriger. Seit Januar arbeiten auch die Handwerker bei uns und plötzlich ist dies nur noch mit viel Organisation möglich bzw. ging einfach so vergessen.
Wir können es kaum fassen aber irgendwie ist es wahr. Unsere Suite die wir in den ersten Jahren als Wohnung benutzen möchten ist bezogen. Da bauen wir 9 Monate um, leben in einem Provisorium. Nun plötzlich sitzen wir in einer neu renovierten Suite und haben eine Tür die wir abschliessen können.
Heute bin ich aufgewacht und habe mich gefragt „Wie haben wir das nur geschafft?“
Unser Provisorium in den alten Hotelzimmern ist geräumt und nur noch mein Arbeitsplatz bleibt bis ich diesen in mein Büro bei der Reception zügeln kann. Das Bett und die Bilder sind abgehängt und nun schon bald beginnen wir auch hier mit dem Abriss. Die letzten drei Wochen waren wie ein Film. Irgendwie unwirklich und eine Szene schloss sich der anderen an. Möbel organisieren und hoffen das wir die Umbauten mit der Wandtäfelung hinkriegen. Zierleisten präzise sägen und die LED Beleuchtung verlegen. Alles war bisher nur in unserem Kopf vorhanden und die Umsetzung war mehr als ungewiss. Können wir das überhaupt. Das Rausreissen ist eine Sache des Kopfes und der Kraft. Die Entsorgung und das Reinigen der Baustelle eine Fleissaufgabe. Und nun plötzlich steht unsere ganze Planung auf der Probe.
Die Wandtäfelung läuft wie geschmiert und ist in einem Wochenende montiert. Die Handwerker kommen und gehen und stehen wie auch wir, vor manch neuer Aufgabe. Die Decken- und Fussleisten kommen gerade noch rechtzeitig und auch Wasser und Strom funktioniert wie am Schnürchen. Wie gut zieht unser Bauleiter die Fäden und sorgt für den nötigen Druck.
Ich weiss immer noch nicht wie wir die Küche in einem halbe Tag gezügelt und umbaut haben aber es hat funktioniert und am Samstag Abend stehen wir in einer eingerichteten Wohnung. Mit einer Tür die wir abschliessen können.
Unfassbar nun haben wir zum ersten Mal drei Welten in unserem Gebäude. Die alten Hotelzimmer, eine grosse Baustelle und die ersten fertigen Räume. Ein erstes Ziel ist erreicht und dies in der geplanten Zeit. Auch mit dem Kaffee und der Küche sind wir nicht schlecht in der Zeit und noch sieht es so aus, das wir Ende September vielleicht doch schon öffnen könnten. Das wäre genau die Mitte von unserem Zeitfenster „zwischen Juli und Dezember“. Noch glauben wir nicht so ganz an diese Punktlandung aber bei diesem Projekt scheint alles möglich.
Wir sind völlig überrascht und unglaublich dankbar über das was wir hier erleben dürfen und hoffen das dieser gute Stern der über diesem Projekt steht auch weiterhin uns den Weg leuchtet.
Nun sind wir bereits 8 Monate in Schweden und wir haben viel geschafft. Die Einwanderung ist praktisch abgeschlossen und auch unsere Firmengründung steht nichts mehr im Wege. Ein Behördenmarathon wie wir ihn noch nie erlebt haben geht nun zu Ende. Das gibt Platz frei für die zukünftigen Aufgaben. Wir sind aber nicht nur auf den Papieren, sondern auch in unserer Wahrnehmung angekommen. Die letzte Reise in die Schweiz war ein Auslandaufenthalt und die Rückreise fühlte sich wie Heimkommen an. Irgendwie verrückt wie schnell das geht und das Schwedische Motto „borta bra, hema bäst“, sich erleben lässt. Auch wen wir nicht wissen ob unser Plan mit dem Värdshuset Pilgrimen aufgehen wird, sind wir dankbar, zu dieser verrückten und unglaublichen Reise ja gesagt zu haben.